Aktuelles - Aufführungen

So 16.03.2008 - Johann Sebastian Bach; Matthäus-Passion, BWV 244
Matthäus-Passion, BWV 244
im Rahmen der Thringer Bachwochen

Friederike Holzhausen, Sopran
Antje Gebauer, Alt
Nico Eckert, Tenor
Falko Hönisch, Bass
Sebastian Richter, Bass

Bachchor Eisenach
Mitteldeutsche Barock-Compagney

Leitung: KMD Christian Stötzner
unterstützt und gefördert vom "Verein zur Förderung der Kirchenmusikpflege an Johann Sebastian Bachs Taufkirche in Eisenach e.V."
www.kimuba.eisenachonline.de
Eine Kritik von Herrn Dr. Karl Böhmer aus Mainz erreichte uns per email:

...... ich wollte mich ganz herzlich bedanken für die wunderschöne Matthäuspassion gestern abend, für die ich eigens aus Mainz nach Eisenach gereist bin. Es hat sich in jeder Hinsicht gelohnt.
Wie Sie sich denken können - und wie es bei den meisten von weiterher angereisten Bachianern der Fall war - handelte es sich nicht um meine erste Aufführung des Werkes, auch nicht mit alten Instrumenten. Ich habe sie schon unter Frans Brüggen in Paris, unter John Eliot Gardiner in Frankfurt, unter Ralf Otto in Mainz und unter vielen anderen Vertretern der Alten Musik gehört. Die Aufführung gestern war sicher eine der schönsten - auch wenn die Oboisten offenkundig mit der Luftfeuchtigkeit zu kämpfen hatten und der erste Traversflötist sich "Aus Liebe will mein Heiland sterben" vielleicht noch etwas genauer hätte ansehen sollen. Dies waren aber nur Schönheitsfehler. Dafür gab es ein sehr schönes Geigensolo in "Erbarme dich", das schönste Gambensolo in "Komm, süßes Kreuz", das ich jemals gehört habe, einen wunderschönen Traversenklang in "Buß und Reu" - also genug zu hören und zu genießen im Orchester.
Natürlich macht auch der Raum die Passion zum Erlebnis. Die hohe Empore vor dem barocken Orgelprospekt ist ja an sich schon eine Bühne, die Kirche wie ein Theater mit Logen gebaut, die Akustik besser als in jedem Opernhaus und viel besser als in den Leipziger gotischen Kirchen. Also optimale Voraussetzungen. Entsprechend eindrucksvoll war die Aufführung, vor allem dank dreier Solisten: Nico Eckert ist ein Evangelist mit wunderschöner Stimme und großer Gestaltungskraft. Die langen Szenen des zweiten Teils, wo man ja zwischen all den Wechselreden die Spannung halten muss - Verleugnung, Jesus vor Pilatus, Golgotha, aber auch die lyrischen Momente bei der Grablegung - habe ich selten so schön gehört. Schade, dass sein "und ging heraus und weinete bitterlich" im Umblättern der Texthefte unterging! Diesen Evangelisten höre ich gerne jederzeit wieder. ...... Ihr kerniger Bassbariton als Jesus konnte einen wirklich erschüttern, das habe ich nur von Peter Harvey unter Gardiner ähnlich großartig gehört. Und natürlich Ihr Baritonsolist in den Arien. "Komm, süßes Kreuz" und "Mache dich, mein Herze, rein" haben viele im Publikum, wie ich sehen konnte, zu Tränen gerührt. Sopran und Alt waren auch sehr gut, aber sie hatten im zweiten Teil ein wenig mit den schwächelnden Bläsern zu kämpfen.
Ein großes Lob an Ihren KMD (Herrn Stötzner, d.R.), nicht nur, weil es die schnellste Matthäuspassion war, die ich je gehört habe (netto 2 Stunden 30 Minuten). Herr Stötzner hat auch seine eigene, sehr überzeugende Auffassung: Viele Arien waren zügiger als sonst: gleich zu Beginn "Buß und Reu" und "Blute nur" wohltuend "galant", ohne galant zu wirken (im Gegenteil: "Blute nur" im Mittelteil sehr expressiv), das Duett endlich einmal Andante und nicht in Schwarzkopfscher Eichendorff-Mond- und Licht-Lyrik, die Ecksätze auch sehr fließend, besonders aber die Choräle: alle ohne große Fermaten, zügig und laut ohne Gestaltungsmätzchen, so wie sie Bach vermutlich gedacht hat. Feierlich wurde es nur bei Jesus und dem Evangelisten - aber keine falsche Feierlichkeit. Besonders wohltuend: dass Herr Stötzner die von Instrumenten begleiteten Rezitative vor den Arien endlich mal im Sprechtempo nahm, Sechzehntel und Sechzehnteltriolen das sein ließ, was sie sind, und nicht Achtel (!!! Wiewohl mein Herz in Tränen schwimmt, normalerweise sind diese Tränen so zäh wie Klärschlamm!). Wenn das fromme Weib, das Jesu Leib salbt, gleich salbungsvoll daher kommt, geht die Passion in eine falsche Richtung - meiner Meinung nach.
Ihr Chor klang prächtig vor der tollen Kulisse der Orgel. So viele Menschen, die so begeistert die Passion durchleben (und ihrem KMD so genau folgen), nehmen einen mit auf die Reise. ......



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